Matthias Spanlang (1887-1940)
Der am 20. Februar 1887 am Steindlgut in Stockham, Pfarre Kallham, geborene und recht begabte Bauernsohn legt 1907 am Kollegium Petrinum in Linz das Abitur ab. Am 31. Juli 1910 wurde Matthias Spanlang in Linz zum Priester geweiht und wirkte als Kooperator in verschiedenen Pfarreien. Mit Wirkung vom 31. Dezember 1925 wurde ihm schließlich die Pfarrei St. Martin verliehen.
Spanlangs Charakterzüge kommen bei seinen Dienstzeugnissen am besten zum Ausdruck: In der „Beachtung der Diözesanvorschriften” war er „bei dem ihm eigenen Selbstbewusstsein in manchen Punkten ziemlich eigenmächtig”. Er liebte die Jagd und ging auch gern ins Gasthaus, während er nur wenig „Interesse für wissenschaftliche Fortbildung in den theologischen Disziplinen” zeigte. An den Pastoralkonferenzen nahm er selten teil. Die Pfarrer, bei denen Spanlang tätig gewesen war, bestätigten ihm allerdings im Allgemeinen ihre Zufriedenheit. Er war ein hervorragender Prediger, wobei er „sich einer originellen Aus-drucksweise bediente”, machte fleißig Hausbesuche, war ein beliebter Katechet und Beicht-vater und hatte viel Kontakt mit der Bevölkerung.
Ab 1931 fanden in St. Martin nationalsozialistische Versammlungen statt. Spanlangs antinationalsozialistische Gesinnung, der er von Anfang an in Predigten und Zeitungsartikeln Ausdruck verlieh, sollte ihm schließlich zum Verhängnis werden.
Am 24. Mai 1938 wurde Matthias Spanlang in das KZ Dachau gebracht. Trotz der Bereitschaft, Spanlang im Dezember 1938 aus dem KZ Dachau zu entlassen, obwohl Reisegelder vorhanden und alle Bedingungen erfüllt waren, kehrte Matthias Spanlang nicht zurück; am 26. September 1939 wurde er von Dachau in das KZ Buchenwald überstellt.
Der Zisterzienser Konrad Just schrieb direkt nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald seine Erinnerungen nieder. Dort steht geschrieben:
„Pfarrer Neururer kam öfters ins Revier. Er kränkelte beständig. Doch auch er musste im Invalidenkommando schwere Arbeit leisten, später kam er in den Holzhof. Der Holzhof war auch für Invalide und alte Leute bestimmt. Dabei mussten diese Armen Wurzelstöcke zerspalten.
Am 28. Mai des Jahres 1940 wurden nun beide Priester am Nachmittag in den Arrest geworfen. Der Arrest von Buchenwald war furchtbar. Alle sprachen nur mit Entsetzen von diesem schauerlichen Ort, aus dem es zumeist kein Entrinnen mehr gab. Wir alle bangten sehr um das Leben und Schicksal der beiden uns so lieben und teuren Kameraden. Pfarrer Neururer sowohl als auch Spannlang waren immer sehr nett und dienstbeflissen. Pfarrer Neururer war eine anima candida, als solcher sehr freigebig und etwas unbeholfen in rein irdischen Dingen. Er wurde weidlich ausgenützt von Laien. Er gab von dem Wenigen, den
armseligen Hungerrationen, noch etwas ab an Arme des Lagers. Beide Pfarrer wurden recht ausgenützt. Nun lagen sie im Arrest und wir konnten Ihnen nicht helfen, auch wussten wir nicht warum. Auf Grund einiger Tatsachen jedoch, sowie gestützt auf die Meinung von führenden Lagerhäftlingen können wir folgenden Tatbestand festhalten. Pfarrer Neururer und Spannlang haben höchstwahrscheinlich eine Konversion, beziehungsweise zwei Konversionen durchführen wollen.
Wie wir nachträglich erfuhren, beziehungsweise, wie aus der Sachlage hervorgeht, haben sich höchstwahrscheinlich 2 Lagerspitzeln an die beiden Pfarrer herangemacht mit der scheinheiligen Bitte um eine Konversion. Einige Tage vor der Einlieferung in das Gefängnis hatte mir Neururer mitgeteilt, dass er eine Konversion vorzunehmen hätte. Ich warnte Neururer dringend, vorsichtig zu sein. Denn damals im Jahre 1940 war jede religiöse Betätigung strengstens untersagt, sogar das Beten stand unter schwerer Strafe. Und für religiöse Beeinflussung von Seiten der Priester stand der Tod. Ich hatte also allen Grund, Neururer zu besonderer Vorsicht zu mahnen. Er liess sich jedoch nicht davon abbringen, das durchzuführen, was er als seine geheiligte Priesterpflicht ansah. Ich gab ihm schliesslich den Rat, in dieser Angelegenheit, Andreas Rieser, Koop. in Stumpen in Tirol, eingehend um Rat zu fragen, denn der hatte die nötige Lagererfahrung und wusste sich, da er selbst einen kleinen Kreis von vertrauten Personen betreute, Rats zu erholen. Dann vergass ich die Sache. Bis ich wieder durch die plötzliche Inhaftierung meiner beiden Lagerkameraden je auf diese Fährte hingedrängt wurde. Unabhängig von mir, legten alle übrigen Priesterkameraden es so aus wie ich es schildere. Das mag auch ein Beweis dafür sein, dass wir bei unserer Annahme uns auf der richtigen Fährte bewegen. Die beiden Pfarrer haben also die Konversion durchgeführt und dabei die falschen Bittsteller auch beichtgehört. Denn die Lagerältesten Häftlinge sagten uns die beiden wären in den Arrest geworfen worden, weil sie aus der Beichte nicht aussagen wollten. Wir konstruieren uns den Fall nun so zurecht. Die beiden Lagerspitzeln haben unter dem Scheine einer Konversionsangelegenheit sich an die beiden Priester herangemacht und zeigten dann den Fall an. Pfarrer Neururer wurde am übernächsten Tag nach der Einlieferung in den Arrest als tot gemeldet, Pfarrer Spannlangs Hinscheiden erfuhren wir am 4. Juni. Das eine steht nun völlig fest. Beide Priester, die gesund in den Arrest kamen wurden dort ermordet. Wie uns von massgebender Seite versichert wurde, von einer Seite die es wissen kann, wurden beide gekreuzigt. Und zwar mit dem Kopfe, geknebelt, nach unten. Wir wissen aus den römischen Martyrologien welch
furchtbare Marter dies war. Den beiden wurden die Gliedmassen mit Fellen umwunden, damit eventuelle Strangulierungserscheinungen nicht auferscheinen. So sind Pfarrer Neururer und Spannlang des blutigen Kreuzestodes im finsteren Verliesse zu Buchenwald gestorben und zwar als Martyrer des Beichtgeheimnisses im Zusammenhange mit einer Konversion. Der Fall verdient ernstliche Prüfung, beziehungsweise Bericht nach Rom. Zeuge für meine Aussagen sind Hochwürden Dr. Franz Ohnmacht, der frühere Koop. von Stumpen in Tirol Andreas Rieser, der frühere Koop. von Weiz in Steiermark, Kaplan Berchtold Alfred, der Redakteur des Vorarlberger Volkslblattes Hochwürden Georg Schelling in Bregenz, der Redakteur des Salzburger Volksblattes Hochwürden Steinwender, Pfarrer Gaechter aus Vorarlberg. Gestern sprach ich über den Fall mit dem Gendarm Schneeweiss aus Salzburg ehemaligem Häftling in Buchenwald. Auch dieser bestätigte mir den Sachverhalt, den ich hiemit zu Protokoll bringe.“
Über die Art des Todes von Pfarrer Spanlang können nur Vermutungen angestellt werden, da es keine unmittelbaren Zeugen gibt. Laut Sterbeurkunde, ausgestellt am 5. Juli 1940 vom Standesamt Weimar II, Nr. 1367/1940, ist Pfarrer Matthias Spanlang am 5. Juni 1940 um 11 Uhr 55 Minuten verstorben. Am 8. Juni 1940 meldet das Pfarramt St. Martin an die Nachbarspfarren: „Nach amtlicher Mitteilung an die Verwandten ist am 5. Juni d. J. der Hochwürdige Herr Mathias Spanlang, Pfarrer von St. Martin i. I., an plötzlicher Herzschwäche gestorben. Seine Leiche wurde eingeäschert. Hierorts findet nun am Dienstag, 11. Juni, vorm. 10 h neue Zeit ein feierl. Requiem statt, das der Hochwürdige Herr Dechant für den Verstorbenen zelebriert. Hiezu ergeht die herzl. Einladung.“
Spanlangs Charakterzüge kommen bei seinen Dienstzeugnissen am besten zum Ausdruck: In der „Beachtung der Diözesanvorschriften” war er „bei dem ihm eigenen Selbstbewusstsein in manchen Punkten ziemlich eigenmächtig”. Er liebte die Jagd und ging auch gern ins Gasthaus, während er nur wenig „Interesse für wissenschaftliche Fortbildung in den theologischen Disziplinen” zeigte. An den Pastoralkonferenzen nahm er selten teil. Die Pfarrer, bei denen Spanlang tätig gewesen war, bestätigten ihm allerdings im Allgemeinen ihre Zufriedenheit. Er war ein hervorragender Prediger, wobei er „sich einer originellen Aus-drucksweise bediente”, machte fleißig Hausbesuche, war ein beliebter Katechet und Beicht-vater und hatte viel Kontakt mit der Bevölkerung.
Ab 1931 fanden in St. Martin nationalsozialistische Versammlungen statt. Spanlangs antinationalsozialistische Gesinnung, der er von Anfang an in Predigten und Zeitungsartikeln Ausdruck verlieh, sollte ihm schließlich zum Verhängnis werden.
Am 24. Mai 1938 wurde Matthias Spanlang in das KZ Dachau gebracht. Trotz der Bereitschaft, Spanlang im Dezember 1938 aus dem KZ Dachau zu entlassen, obwohl Reisegelder vorhanden und alle Bedingungen erfüllt waren, kehrte Matthias Spanlang nicht zurück; am 26. September 1939 wurde er von Dachau in das KZ Buchenwald überstellt.
Der Zisterzienser Konrad Just schrieb direkt nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald seine Erinnerungen nieder. Dort steht geschrieben:
„Pfarrer Neururer kam öfters ins Revier. Er kränkelte beständig. Doch auch er musste im Invalidenkommando schwere Arbeit leisten, später kam er in den Holzhof. Der Holzhof war auch für Invalide und alte Leute bestimmt. Dabei mussten diese Armen Wurzelstöcke zerspalten.
Am 28. Mai des Jahres 1940 wurden nun beide Priester am Nachmittag in den Arrest geworfen. Der Arrest von Buchenwald war furchtbar. Alle sprachen nur mit Entsetzen von diesem schauerlichen Ort, aus dem es zumeist kein Entrinnen mehr gab. Wir alle bangten sehr um das Leben und Schicksal der beiden uns so lieben und teuren Kameraden. Pfarrer Neururer sowohl als auch Spannlang waren immer sehr nett und dienstbeflissen. Pfarrer Neururer war eine anima candida, als solcher sehr freigebig und etwas unbeholfen in rein irdischen Dingen. Er wurde weidlich ausgenützt von Laien. Er gab von dem Wenigen, den
armseligen Hungerrationen, noch etwas ab an Arme des Lagers. Beide Pfarrer wurden recht ausgenützt. Nun lagen sie im Arrest und wir konnten Ihnen nicht helfen, auch wussten wir nicht warum. Auf Grund einiger Tatsachen jedoch, sowie gestützt auf die Meinung von führenden Lagerhäftlingen können wir folgenden Tatbestand festhalten. Pfarrer Neururer und Spannlang haben höchstwahrscheinlich eine Konversion, beziehungsweise zwei Konversionen durchführen wollen.
Wie wir nachträglich erfuhren, beziehungsweise, wie aus der Sachlage hervorgeht, haben sich höchstwahrscheinlich 2 Lagerspitzeln an die beiden Pfarrer herangemacht mit der scheinheiligen Bitte um eine Konversion. Einige Tage vor der Einlieferung in das Gefängnis hatte mir Neururer mitgeteilt, dass er eine Konversion vorzunehmen hätte. Ich warnte Neururer dringend, vorsichtig zu sein. Denn damals im Jahre 1940 war jede religiöse Betätigung strengstens untersagt, sogar das Beten stand unter schwerer Strafe. Und für religiöse Beeinflussung von Seiten der Priester stand der Tod. Ich hatte also allen Grund, Neururer zu besonderer Vorsicht zu mahnen. Er liess sich jedoch nicht davon abbringen, das durchzuführen, was er als seine geheiligte Priesterpflicht ansah. Ich gab ihm schliesslich den Rat, in dieser Angelegenheit, Andreas Rieser, Koop. in Stumpen in Tirol, eingehend um Rat zu fragen, denn der hatte die nötige Lagererfahrung und wusste sich, da er selbst einen kleinen Kreis von vertrauten Personen betreute, Rats zu erholen. Dann vergass ich die Sache. Bis ich wieder durch die plötzliche Inhaftierung meiner beiden Lagerkameraden je auf diese Fährte hingedrängt wurde. Unabhängig von mir, legten alle übrigen Priesterkameraden es so aus wie ich es schildere. Das mag auch ein Beweis dafür sein, dass wir bei unserer Annahme uns auf der richtigen Fährte bewegen. Die beiden Pfarrer haben also die Konversion durchgeführt und dabei die falschen Bittsteller auch beichtgehört. Denn die Lagerältesten Häftlinge sagten uns die beiden wären in den Arrest geworfen worden, weil sie aus der Beichte nicht aussagen wollten. Wir konstruieren uns den Fall nun so zurecht. Die beiden Lagerspitzeln haben unter dem Scheine einer Konversionsangelegenheit sich an die beiden Priester herangemacht und zeigten dann den Fall an. Pfarrer Neururer wurde am übernächsten Tag nach der Einlieferung in den Arrest als tot gemeldet, Pfarrer Spannlangs Hinscheiden erfuhren wir am 4. Juni. Das eine steht nun völlig fest. Beide Priester, die gesund in den Arrest kamen wurden dort ermordet. Wie uns von massgebender Seite versichert wurde, von einer Seite die es wissen kann, wurden beide gekreuzigt. Und zwar mit dem Kopfe, geknebelt, nach unten. Wir wissen aus den römischen Martyrologien welch
furchtbare Marter dies war. Den beiden wurden die Gliedmassen mit Fellen umwunden, damit eventuelle Strangulierungserscheinungen nicht auferscheinen. So sind Pfarrer Neururer und Spannlang des blutigen Kreuzestodes im finsteren Verliesse zu Buchenwald gestorben und zwar als Martyrer des Beichtgeheimnisses im Zusammenhange mit einer Konversion. Der Fall verdient ernstliche Prüfung, beziehungsweise Bericht nach Rom. Zeuge für meine Aussagen sind Hochwürden Dr. Franz Ohnmacht, der frühere Koop. von Stumpen in Tirol Andreas Rieser, der frühere Koop. von Weiz in Steiermark, Kaplan Berchtold Alfred, der Redakteur des Vorarlberger Volkslblattes Hochwürden Georg Schelling in Bregenz, der Redakteur des Salzburger Volksblattes Hochwürden Steinwender, Pfarrer Gaechter aus Vorarlberg. Gestern sprach ich über den Fall mit dem Gendarm Schneeweiss aus Salzburg ehemaligem Häftling in Buchenwald. Auch dieser bestätigte mir den Sachverhalt, den ich hiemit zu Protokoll bringe.“
Über die Art des Todes von Pfarrer Spanlang können nur Vermutungen angestellt werden, da es keine unmittelbaren Zeugen gibt. Laut Sterbeurkunde, ausgestellt am 5. Juli 1940 vom Standesamt Weimar II, Nr. 1367/1940, ist Pfarrer Matthias Spanlang am 5. Juni 1940 um 11 Uhr 55 Minuten verstorben. Am 8. Juni 1940 meldet das Pfarramt St. Martin an die Nachbarspfarren: „Nach amtlicher Mitteilung an die Verwandten ist am 5. Juni d. J. der Hochwürdige Herr Mathias Spanlang, Pfarrer von St. Martin i. I., an plötzlicher Herzschwäche gestorben. Seine Leiche wurde eingeäschert. Hierorts findet nun am Dienstag, 11. Juni, vorm. 10 h neue Zeit ein feierl. Requiem statt, das der Hochwürdige Herr Dechant für den Verstorbenen zelebriert. Hiezu ergeht die herzl. Einladung.“